21 Jahre in Georgien

Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück

12-11-2015


Liebes Kollegium, liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Freunde der Freien Waldorfschule Tbilisi,

Zum einundzwanzigjährigen Jubiläum möchte ich Ihnen persönlich und im Namen der Schulgemeinschaft der Freien Waldorfschule Saar-Hunsrück ganz herzlich gratulieren.

Es sind unvergessliche Erinnerungen, wie ich 1985 anlässlich der Feierlichkeiten des 10-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Tbilisi und Saarbrücken in Georgien weilte und erstmals georgische Menschen und die georgische Kultur kennenlernen durfte. Haupteindrücke aus jener Zeit: das unzweifelhafte Verbundenheitsgefühl Georgiens mit der europäischen Kultur und die Tatsache, dass schon damals - trotz offiziellen Verbots - verschiedene Gruppen von Menschen sich mit den verschiedensten Aspekten der Anthroposophie - von der biologisch-dynamischen Landwirtschaft über die Eurythmie bis zur Waldorfpädagogik im privaten Kreise beschäftigten. In diesen Gruppen wurden die Keime gelegt, die dann erst nach der staatlichen Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 zu freien und öffentlichen anthroposophischen Einrichtungen erwachsen konnten: dem Tagesheim für Sozialtherapie, der Ärzteinitiative Mensch und Natur, der heilpädagogischen Initiative von Marina Schostak, der Christengemeinschaft, landwirtschaftlichen Initiativen, dem ersten Waldorfkindergarten und schließlich auch der Waldorfschule.

Der Gründungsimpuls der Freien Waldorfschule Tbilisi entstand inmitten jener finsteren Ereignisse, die die ersten Schritte Georgiens zu einer freiheitlichen Gesellschaft prägten: Bürgerkrieg, ethnische Konflikte in Abchasien und Süd-Ossetien, die Gewalt marodierender Banden in den Straßen, der vollkommene Zusammenbruch staatlicher und wirtschaftlicher Strukturen, der völlige Ausfall der Energieversorgung mit Strom und Gas, unbegrenzte Korruption und Gesetzlosigkeit.

Das war das gesellschaftlicheUmfeld, in dem im Herbst 1993 die kleine Menschengruppe um den Gründungslehrer LevanKhelaia die erste öffentliche Tagung über Waldorfpädagogik im Jugendpalast im Zentrum Tbilisis initiierte. Der Kontrast hätte nicht größer sein können zwischen den entfesselten Niedergangskräften im Umfeld und jenem Geist des Aufbruchs und der Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft, der jene täglich wachsende Menschengruppe dieser Tagung verband und mit Initiative, Zuversicht und Begeisterung erfüllte.

Mitglieder der Schulgemeinschaftder Freien Waldorfschule Tbilisi- Pädagogen, Eltern und Schüler - haben diesen Gründungsimpuls über 21 Jahredurch äußere und innere Krisen hindurch getragen, entwickelt und in Lebenswirklichkeit verwandelt. Dafür gebührt ihnengrößte Hochachtung und Respekt.

Die Verhältnisse in Georgien haben sich seit jener Gründungszeit zum Positiven entwickelt. Eine Gesellschaft, die der Würde und freien Entfaltung des Individuums verpflichtet ist, bleibt aber in Georgien und global eine vielfach gefährdete Vision. Deshalb hat der Auftrag, der die Freie Waldorfschule Tbilisi mit den 1000 Waldorfschulen in der Welt verbindet, junge Menschen zu befähigen als selbstbestimmte Persönlichkeitenin ihrem Lebensumfeld an der Gestaltung einer menschengemäßen Zukunft mitzuwirken, an Aktualität nichts verloren.

Deshalb wünsche ich den Pädagogen, Eltern und Schülern von Herzen die Begeisterung, den Mut und die Beharrlichkeit, die erforderlich sind, die Schule im Sinne dieses Impulses lebendig in die Zukunft hinein zu entwickeln.

Im Oktober 2015

Matthias Valentin

Freie Waldorfschule Saar-Hunsrück



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