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Armenische Gastfreundschaft, eine Theateraufführung von georgischen Lehrern, Gesänge von ukrainischen Kollegen und russischer Reigentanz - Seminar in Erevan, Zwischenraum, wo neue Beziehungen geboren wurden

25-10-2016


Immer wieder treffen sich die armenischen und georgischen Kollegen mal in Erevan, mal in Tbilissi. Eine Woche in den Sommerferien wird der Arbeit an Grundprinzipien der Waldorfpädagogik gewidmet.
Nach wie vor geben die führenden Dozenten Michael Zech und Markus Osterrider der Suzammenarbeit neue Anregungen. Im Rahmen des Seminars wurden verschiedene Themen und Aspekte der Oberstufe gründlich bearbeitet. Durch das Seminar kamen sich die Waldorfschulen von Erevan und Tbilissi näher. Im gleichen Raum wurde auch die Idee der Anfreundung von georgischen und armenischen Schülern geboren. Bis heute besuchen sich erfolgreich unsere Zentklässler und durch gemeinsame Arbeit haben die beste Möglichkeit sich kennenzulernen. Erst gemeinsame Seminararbeit hat uns auch den armenischen und georgischen Kollegen ermöglicht, uns besser kennenzulernen, unsere Erfahrungen auszutauschen, uns gegenseitig zu hospitieren und sogar einfach zu besuchen. Die Zusammenarbeit läuft schon seit vier Jahren und die Sommerferien können wir uns schon nicht mehr ohne armenische Kollegen vorstellen.

Bei unserem dritten Treffen im letzten Jahr (2015) wurde erst die Frage gestellt - ob die Zeit zur Durchführung bestimmter Änderungen gekommen sei. Gleichzetig sahen die Teilnehmer das Fortsetzungswichtigkeit gemeinsamer Arbeit. Inhalte, an denen es gearbeitet wurde, zeigte die Miteinbeziehung von benachbarten Ländern. Diesmal wurde die Wahl auf die Ukraine und Russland gefallen. In Anbetracht der politischen Erwägungen, in der sich die ganze Welt heute befindet, standen dem neuen Workshopformat neue Anforderungen entgegen, was uns einen Grund zur Sorge und gleichzeitig zur Freude gab. Es standen uns neue Herausforderungen entgegen, die bis über den pädagogischen Rahmen hinaus reichten. Im Sommer 2015 wurde beschlossen, mit Vorbereitungen für das Seminar 2016 mit etwa 130 Teilnehmern (einschließlich Gastgeber) zu beginnen. Nach recht langen und gründlichen Vorbereitungsarbeiten wurde entschlossen, das Seminar in Erevan durchzuführen. Abgesehen davon machte usere beiden Schulen die Tatsache, dass wir das Format Zusammenarbeit recht gut kannten, zu gemeinsamen Gastgebern für russische und ukrainische Kollegen.

Die Hauptlinie der Tagung blieb die gleiche: auf die Grundsatzfragen der Oberstufe ging Dr./Prof. Michael Zech ein, einen tiefgehenden Überblick in kultur-historische Entwicklung bot uns Dr./Prof. Marcus Osterrider, die kunstlerische Arbeit wurde von armenischen und georgischen Kollegen durchgeführt, dazu kamen auch Diskussionen zu verschiedenen Themen, geleitet von allen beteiligten Ländern, abschließend gab es jeden Abend kulturelle Darbietungen aus jedem Land. Solche kulturelle Abende bieten immer die beste Gelegenheit zur Annährung von Menschen. Niergendwo kann die Einheit der Menschen so tief erlebt werden, wie in der Kunst.

Herr Michail Zech und Herr Marcus Osterrider sind die Menschen, die im Laufe der Jahre durch ihren starken Impuls die Seminararbeit weiter ermöglicht und verstärkt haben. Auf der Grundlage der in den vergangenen Jahren erarbeiteten Fragen sind jedesmal neue Themen hervorgegangen. Dauerhafte Zusammenarbeit hat uns ermöglicht auf Fragen tiefgehend einzugehen, was sonst durch ein einmaliges Treffen schwer zu erreichen wäre. Am Ende jedes Treffens, in den gemeinsamen Sitzungen wurden Fragen, Meinungen, Ideen geboren, an denen das Kollegium arbeiten wollte. Jedes Mal hatten wir das Gefühl, dass die Wünsche aus den tiefsten Schichten gekommen waren und die Grundlage unserer pädagogischen Arbeit bildeten.

Genau bei solcher Diskussion am runden Tisch wurde die Idee von Disskusionsgesprächen geboren, dem im Seminar 2016 eine erhebliche Bedeutung beigemessen wurde.

Bei Diskussionsgesprächen wurden die Vertreter von den beteiligten Ländern mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt. Trotz der politischen Spannungen, die die Länder voneinander fernhalten, konnten alle sehen - die gemainsame Vergangenheit vereint und bindet uns alle. Wir sahen die Vergangenheit, die in unserem persönlichen und individuellen Entwicklungsprozess mitbewirkt hat. Wir sahen, wie wichtig die richtige Haltung von Lehrern zu allen, vor allem aber zu sensiblen Fragen sein kann. Wir haben doch jeden Tag mit den Schälern zu tun, die unter der schweren politischen Situation leiden. Bemerkenswert ist, dass genau dann, als wir an diesen Fragen arbeiteten, geschah der Attentat in München. Das Grundprinzip wofür wir arbeiten - erziehen in Freiheit wird äußerlich und innerlich gefährdet. Angst und Misstrauen begleitet heute die Menschen überall. Die Lehrer, die vor den Schülern stehen, sollten ein waches Bewußtsein dafür haben

Wir begannen im Rahmen der Workshop-Schulen über die zukünftige Zusammenarbeit zu denken und machten den ersten Überblick über die verschiedenen Projekte, die dann durch Eingriff von Schülern vorgenommen werden können. Über die Umsetzung dieser Projekte wird bestimmt von den Koordinatoren selbst berichtet. Eines ist aber klar, unsere Zusammenarbeit ist auf dam neuen Format zu betrachten.

Für uns, georgische Lehrer, ist das Seminar zu einem weiteren wichtigen Impuls für die Umsetzung unserer lang ersehnten Idee geworden. Es ging um ein Performance von Lehrern. Die Idee hatte die Schule schon lange. Ein jahr lang arbeitete Gosha Gorgoshidze an Sprachgestaltung mit den Lehrern in der Schule . Im Rahmen dieser Arbeit wurde abschließend an Theaterstück „ Antigone" gearbeitet. Das Stück wurde mit Absicht entsprechend des Seminarprogramms: Bolschewismus und sein Erbe ausgewählt.

Durch die Arbeit am Theaterstück sind wir uns die Kollegen nähergekommen. Wir haben uns und unsere Fähigkeiten in einem anderen Licht gesehen. Die einmonatige Arbeit am Stück am Ende des Schuljahres, wo alle wichtige Dokumentationen abzuschließen sind, war wirklich nicht leicht, trotzdem gestanden wir uns dann alle, dass diese Arbeit unserem anstrengenden Alltag doch etwas positives gab.

Diese intensive, vielseitige und fruchtbare Arbeit wäre nicht ohne die finanzielle Untestützung von unseren deutschen Freunden, Freunde der Erziehungskunst, IAO, die Spender aus Yerevan, die uns die Miete des Kongresssaales ermöglichten, und noch private Spender aus Kassel, möglich gewesen.

Immer, wenn man mit einer Organisation eines Projekts beschäftigt ist, muss man die kleinsten Details sehen und berücksichtigen. Man betrachtet dann die Dinge von innen, und zur gleichen Zeit ist man auch Beobachter. Dies ist ein großes Geschenk und eine große Verantwortung auch. Danke an alle Personen, die an diesem großen Projekt sowohl finanziell als auch physisch teilgenommen haben.
Es ist klar, dass die Situation in unserem Land (und auch in der ganzen Welt) instabil und zum Teil auch ziemlich schwer ist. Manchmal befinden wir uns sogar am Rande des Abgrunds und viele unsere Bürger werden zum Opfer eines politschen Irrtums, wobei der gegenseitige Hass unter den Menschen auch häufig zu beobachten ist. Das handlungslos hinzunehmen wäre unverzeihlich. Man kann den Hass besiegen, in dem man sich im Dialog zwischen den Kulturen wiederfindet, wenn man sich von negativen Gefühlen freiwerden kann, wenn man keine offene Fragen mehr in sich behält und wenn man einen Zwischenraun schafft, wo neue Beziehungen entstanden werden können.

Diesen Zwischenraum hatten wir im Juli 2016 in Erevan und ich hoffe, das gleiche im Sommer 2017 in Tbilisi erleben zu dürfen.
Vielen Dank dafür an alle!

Tea Rogava

Übersetzer
Mariami Veshaguridze

 

 



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